Die Bieterunde

Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten ihren Wert zurück. 

Die Bieterunde bildet die Grundlage unserer gemeinschaftlichen Landwirtschaft. Hier geht es nicht darum, einen Preis für Gemüse, Beeren oder Obst festzulegen. Es geht darum, gemeinsam die Verantwortung für den Hof als Ganzes zu übernehmen.

Statt einzelne Produkte zu kaufen, ermöglichen die Mitglieder gemeinsam die Landwirtschaft: die Pflege des Bodens, Saatgut und Jungpflanzen, Maschinen und Infrastruktur, die Arbeit auf dem Hof und die Menschen, die sie tragen.

So entsteht eine Form des Wirtschaftens, die sich nicht am Marktpreis orientiert, sondern an den tatsächlichen Bedürfnissen des Hofes und den Möglichkeiten der Gemeinschaft.

Warum eine Bieterunde

Im Alltag sind wir es gewohnt, den Wert einer Sache über ihren Preis zu bestimmen. Wir vergleichen, rechnen und fragen uns, ob etwas sein Geld wert ist. Landwirtschaft gerät dadurch unter einen ständigen Druck: günstiger, effizienter und konkurrenzfähiger zu werden.

Die Bieterunde kehrt diese Logik um. Nicht der Preis steht am Anfang, sondern die Frage: Was braucht diese Landwirtschaft, damit sie gedeihen kann? Erst danach stellt sich die Frage, welchen Beitrag jede Person dazu leisten kann.

Menschen verfügen über unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten. Während für einige der rechnerische Durchschnittsbeitrag gut tragbar ist, würde er andere ausschliessen. Gleichzeitig können manche Menschen mehr beitragen, ohne dadurch selbst eingeschränkt zu werden.

Die Bieterunde schafft einen Rahmen, in dem diese Unterschiede sichtbar werden dürfen. Jede Person gibt entsprechend ihren Möglichkeiten und trägt gleichzeitig Verantwortung für das Gelingen des Ganzen. So wird gemeinsame Verantwortung nicht nur ein Gedanke, sondern gelebte Praxis.

Ein Übungsfeld für den grösseren Wandel

Die Bieterunde ist für uns mehr als eine Methode zur Finanzierung eines Hofes.
Sie erinnert uns daran, dass Wirtschaft nicht nur aus Zahlen besteht, sondern immer auch aus Beziehungen.

Sie lädt uns ein, neue Formen des Wirtschaftens auszuprobieren, die nicht auf Konkurrenz, Vergleich und Gewinnmaximierung beruhen, sondern auf Vertrauen, Transparenz und gegenseitigem Tragen.

So verstehen wir unsere Bieterunde als einen kleinen Beitrag zu diesem grösseren Wandel – und als Einladung, gemeinsam Erfahrungen damit zu sammeln.

Damit stehen wir nicht allein. Viele gemeinschaftliche Landwirtschaften, Initiativen und Netzwerke beschäftigen sich mit ähnlichen Fragen und suchen nach Wegen, wie Wirtschaft wieder stärker dem Leben dienen kann. 

Heike Pourian beschreibt diesen Perspektivwechsel in folgendem Video besonders eindrücklich.

S0 funktioniert’s

1. Das Budget sichtbar machen

Vor Beginn jeder Saison erstellen wir ein Budget für den gesamten Hof. Darin enthalten sind Löhne, Saatgut, Jungpflanzen, Infrastruktur, Maschinen, laufende Betriebskosten und alles, was es braucht, damit die Landwirtschaft ein weiteres Jahr bestehen und gedeihen kann.

Dieses Budget wird den Mitgliedern vorgestellt und gemeinsam besprochen.

2. Den Richtwert berechnen

Das Gesamtbudget wird durch die Anzahl der geplanten Ernteanteile geteilt. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Richtwert. Dieser dient als Orientierung, ist jedoch kein Preis und keine Vorgabe. Er zeigt lediglich, welchen durchschnittlichen Beitrag es braucht, damit das Budget gedeckt werden kann.

3. Die Gebote abgeben

Anschliessend entscheidet jedes Mitglied selbst, welchen Beitrag es leisten möchte. Dabei steht nicht die Frage im Vordergrund: „Was bekomme ich dafür?“ Sondern: „Was kann und möchte ich zum Gelingen dieses Hofes beitragen?“

Die Gebote werden anonym abgegeben und anschliessend zusammengezählt.

4. Die Gebote zusammenzählen

Ist das Budget gedeckt, kann die neue Saison beginnen. Fehlt noch ein Betrag, folgt eine weitere Runde. Die Gemeinschaft sucht gemeinsam nach einer Lösung, bis die Finanzierung gesichert ist.

Entsteht ein Überschuss, entscheidet die Gemeinschaft gemeinsam, wie dieser eingesetzt werden soll – beispielsweise für Investitionen, Rücklagen oder Verbesserungen der Einkommen auf dem Hof.

5. Den Beginn einer neuen Saison feiern

Wenn das Budget gedeckt ist, entsteht etwas Besonderes: Die Gemeinschaft hat gemeinsam die Grundlage geschaffen, damit der Hof ein weiteres Jahr wachsen, pflegen und ernten kann.

Für uns ist das kein formaler Abschluss, sondern der Beginn einer neuen Saison. Ein Moment, der gefeiert werden darf.

Weitere Gedanken

Wir sind Teil einer wachsenden Bewegung von Höfen, Gemeinschaften und Initiativen, die neue Formen des Wirtschaftens und Zusammenwirkens erproben.

Wer tiefer in die Idee der Bieterunde und neuer Formen des gemeinschaftlichen Wirtschaftens eintauchen möchte, findet weitere inspirierende Gedanken bei bei Initiativen wie Myzelium und dem CSX-Netzwerk.

Sie alle beschäftigen sich mit der Frage, wie wir Wirtschaft, Verantwortung und Gemeinschaft neu denken und gestalten können.

Interessiert?

Gemeinschaftliche Landwirtschaft lässt sich nicht allein über Texte verstehen.

Deshalb empfehlen wir allen Interessierten, einen Infoanlass zu besuchen. 

Oder melde dich über das Kontaktformular bei uns. Anschliessend nehmen wir persönlich Kontakt auf, beantworten offene Fragen und lernen uns gegenseitig kennen.

Wir freuen uns auf Menschen, die diesen Weg gemeinsam mit uns erkunden möchten.

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